Hufrehe Notfall

Notfall Hufrehe: Das möchte ich Euch einmal sagen!

Hufrehe Notfall

Heute war einmal wieder ein sehr aufregender und arbeitsreicher Tag im Tierheilkundezentrum, der sich immer wieder um das Thema Hufrehe drehte und jede Hufrehe ist natürlich ein absoluter Notfall. Morgens um 7.00 Uhr der erste Notfallanruf Hufrehe und das Telefon bimmelte bis heute Abend fast unaufhörlich, immer wieder waren es verzweifelte Anrufe von Pferdehaltern, deren Pferd an Hufrehe erkrankt ist, dies meist seit mehreren Wochen, oft bereits seit Monaten und die Verzweiflung der betroffenen Pferdemenschen wächst mit jedem Tage. Der Notfall Hufrehe natürlich auch!

Mehrere Pferde heute standen kurz vor dem einschläfern, drei Pferde wurden bereits heute eingeschläfert.

Die Anrufe drücken immer wieder aus, welche Hilflosigkeit und Ratlosigkeit rund um das Thema Hufrehe herrscht. Gefragt ist Beratung, Beratung, Beratung und noch einmal Beratung. Zahlreiche Fragen zur Hufrehe bewegen die Betroffenen, wie Weidegang, Medikation, Fütterung, Haltung/Einzelhaltung, welche Haltung ist die Heilung fördernde, Herde oder nicht, Verbände/Hufschuhe/Gips/orthopädischer Hufbeschlag ja oder nein, Bewegung ja oder nein, Ursachen, Gründe und immer wieder die bange Frage:

Schafft mein Pferd das? Kriegen wir die Hufrehe in den Griff? Was soll ich nur machen? Ist Hufrehe denn tatsächlich ein Notfall?

Zahlreiche Fragen, die ausdrücken, wie alleine der Pferdehalter im Grunde mit der Hufrehe Erkrankung des Pferdes ist und wie verzweifelt hilflos ihn oft noch die vielen gutgemeinten Ratschläge Anderer machen, die oft schier gegensätzlich sind.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: Alle Pferde sind seit Beginn der Hufrehe selbstverständlich in tierärztlicher Behandlung bzw. in einer Pferdeklinik untergebracht. Ich rede hier vom Beratungsbedarf der betroffenen Pferdemenschen, die natürlich ganz viele Fragen haben, die meist nachts vor Verzweiflung, etwas zu übersehen bzw. etwas falsch zu machen, kaum noch schlafen können. Diese Beratung und Klärung der offenen Fragen halte ich für immens wichtig, denn als Außenstehender sehe ich aufgrund der wirklich zahlreichen Erfahrungen manche Dinge eher und klarer als die Pferdehalter, deren Nerven aufgrund der schlimmen Situation natürlich eh blank liegen.

Und ist jetzt nicht böse gemeint, aber ich bin kein Pferdehalter, deren Pferd auch schon mal eine Hufrehe hatte und gebe anhand meines in diesem Fall erlernten Wissens meine „Expertenmeinung“, beispielsweise in einschlägigen Foren ab. Sorry, aber auch dies muss echt mal gesagt werden, mir sträuben sich zum Teil die Nackenhaare, wenn ich lese, wer hier wem gute Tipps gibt. Das ist alles ganz nett und vielleicht manchmal auch hilfreich, aber Ihr solltet dieses „Wissen“ sicher reflektiert sehen. Nein, ich bin weder eingebildet noch arrogant, es sind einfach nur tausende Erfahrungen, die mich auszeichnen und diese so vielen Erfahrungen sind einfach so enorm wichtig, denn es gibt so gut wie nichts, was mir fremd ist in Bezug auf eine Hufrehe. Daher denke ich, dass ich mittlerweile tatsächlich Hufrehe Expertin bin, ich glaube ich habe mich tatsächlich mit nichts so intensiv beschäftigt wie mit der Hufrehe. Klar, zum Teil auch aus eigenen Erfahrungen, auch ich hatte Pferde mit Hufrehe. Und genau deshalb trug es sich beispielsweise zu, dass ich mich ausführlichst mit der lokalen Hufbearbeitung befasst habe und diese Jahre intensiv gelernt habe. Und doch gibt es auch bei mir Situationen, da wage ich selbst mich nicht mehr an die Hufbearbeitung ran, weil diese einfach zu massiv (beispielsweise mit der Flex) ausgeführt werden muss, obwohl ich seit Jahren meine Pferde selbst bearbeite und mir niemand an die Hufe meiner Pferde kommt.

Ich habe bei jedem Anruf den Eindruck, ich kämpfe gerade mit Worten für das Pferdeleben, versuche etwas Licht ins Dunkel zu bringen, versuche den Pferdehalter zu motivieren, die Situation zu spiegeln und somit zu verstehen, was bisher richtig gelaufen, aber auch, was eventuell bisher schiefgelaufen ist.

Hier gibt es zahlreiche Faktoren, die (fehlende..) richtige Medikation, die Fütterung, die Haltung und ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Hufbearbeitung und der Hufschutz. Ich versuche ständig, die Menschen zu sensibilisieren, auch einen Blick auf die Hufe selbst zu werfen und einmal Gras/Weidegang, EMS und Cushing hinten anzustellen. Meist liegt die Ursache für den akuten Hufreheschub wie aber auch die Ursache, dass die Situation schlimmer statt besser wird in der Hufsituation selbst, meiner Schätzung nach in ca. 90 % der zahlreichen Hufrehe „Fälle“, mit denen ich täglich seit über 20 Jahren zu tun habe. Bei ungleichen Trachten, zu langer Zehe, zu hohen Eckstreben, zu hohen Trachten und es gibt darüber hinaus noch ziemlich viele weitere Faktoren, die eine Hufrehe begünstigen, ist es oft nur ein kleines bisschen Übergewicht, ein bissel zu viel Gras, eine Scheppe zu viel Kraftfutter oder ein klein wenig zu viel Zucker, was dann letztlich „das Fass zum Überlaufen bringt“ und die Hufrehe auslöst.

Das ist mein Eindruck, meine Erfahrung und meine Sicht der Dinge, die auf tausende Hufrehe Schübe beruht. Wir bekommen täglich sehr viele Hufbilder übersandt, die ein einziger Hilfeschrei sind, die Hufe schreien förmlich danach, RICHTIG bearbeitet zu werden. Natürlich ist die innerliche Behandlung ebenso wichtig, alleine eine gute Hufbearbeitung heilt nicht den Hufrehe Schub, ist jedoch die beste Investition in die Zukunft des Pferdes, weil nur diese dauerhaft dafür Sorge trägt, dass keine weiteren Hufreheschübe eintreten.
Und nein, es hilft auch nicht, nur einfach ein paar Hufschuhe überzuziehen oder nur einen – egal welchen – Beschlag „drunter zu klatschen“, das Pferd muss durch die richtige Hufbearbeitung in sehr kurzen Abständen wieder in die Lage versetzt werden, auf seinen Füßen laufen zu können. Dies ist der Schlüssel zur Heilung der Hufrehe, nicht der Hufschutz selbst, auch kein Gips. Ich habe Pferde mit Gips ausschuhen sehen, ist nicht besser als ohne Gips auszuschuhen!

Die Therapie der Hufrehe MUSS daher ganzheitlich umgesetzt werden, Hufrehe muss innerlich durch eine passende Medikation, die passende Fütterung und Haltung sowie lokal durch eine individuell zu beurteilende und für dieses Pferd richtige Hufbearbeitung angegangen werden. Nur so ist der Hufrehe Schub heilbar und insbesondere das betroffene Pferd zukünftig von weiteren Hufrehe Schüben verschont!

Natürlich gehört noch mehr zur Hufrehe Therapie dazu, die wie gesagt grundsätzlich ein Notfall ist:

Eine heilungsfördernde Haltung und Unterbringung beispielsweise, die sich immer wieder neu am Heilungsverlauf orientieren muss. Kann das von Hufrehe betroffene Pferd beispielsweise anfangs kaum noch laufen heißt dies zwangsläufig Einzelhaltung auf super weichem tiefen Boden. Wird die Situation dann nach und nach besser muss genau geschaut werden, wie wir die Haltung und Bewegung ganz langsam und für das Pferd optimal ausdehnen.

Eine heilungsfördernde Fütterung, auch diese kann immer nur individuell betrachtet werden. Es erkranken fast ebenso viele Pferde in Normalfutterzustand oder zu magere Pferde an Hufrehe wie zu dicke Pferde. Im Umkehrschluss: Diät um jeden Preis kann hier nicht die Antwort sein! Und auch Diät hat ihre Grenzen und muss so ausgerichtet sein, dass der Magen und Darm wie auch Leber und Nieren diese Diät gut verkraften (Stichwort Hyperlipämie!). Also auch hier immer individuell den „Einzelfall Hufrehe“ betrachten, eine Allgemeinantwort gibt es auch zur richtigen Fütterung bei Hufrehe nicht.

Bewegung/Weidegang in der Zukunft? Auch diese Faktoren hängen davon ab, wie sich die Zukunft des individuellen Pferdes mit Hufrehe überhaupt darstellt. Man sollte diese Überlegungen erst anstellen, wenn sie auch anstehen, während der akuten Hufrehe heißt es nun erst einmal, das Pferd so optimal in allen zu bedenkenden Faktoren zu unterstützen, dass es die Hufrehe überhaupt überlebt! Das hört sich vielleicht etwas hart an, aber das ist nun einmal tatsächlich so, wie gesagt sehr viele Pferde überleben ihre Hufrehe nicht, von daher muss unsere volle Konzentration immer auf dem Augenblick liegen, hier müssen wir sofort agieren und das Beste rausholen, was wir tun können. Dies grundsätzlich schnellstmöglich, wenige Tage können das Schicksal sein und wir sind einfach zu spät dran, wir hätten eher agieren und reagieren müssen. Der Zeitfaktor gilt immer und ganz grundsätzlich, hier gibt es individuell rein gar nichts zu beachten.

Es gibt noch viel zu schreiben bzw. zu sagen zum Thema Hufrehe, viele weitere Informationen lest ihr auch hier: http://www.tierheilkundezentrum.de/pferdekrankheiten/hufrehe/ bzw. unter den weiteren Links bei www.tierheilkundezentrum.de zum Thema Hufrehe. Mit der lokalen Hufsituation beschäftige ich mich ausführlich auf der hufrehebehandlung.eu

So, eines aber noch zum Thema Hufrehe Notfall:

Vorausgesetzt Ihr macht alles richtig und Euer Pferd geht wieder völlig unbeschwert und lahmfrei, dann lasst noch einmal nach röntgen, denn Ihr werdet sehen, meist sind alle Schäden der Hufrehe Geschichte, es gibt auf den Röntgenbildern weder eine Hufbeinsenkung noch eine Hufbeinrotation noch eine Separation, meist ist dann alles wieder gut, die inneren Strukturen haben sich wieder schön erholt und Euer Pferd ist zu 100 % gesund und ebenso oder vielleicht noch freudiger bei der Arbeit wie vor der Hufrehe. Es ist nicht wahr, dass die Veränderungen bleiben und nicht rückgängig gemacht werden können, wenn alles gut und richtig läuft, sind auch sämtliche Veränderungen des Hufbeins wieder umkehrbar zum Guten und nichts bleibt von der ehemals so schlimmen Situation der Hufrehe übrig. Das macht Mut, oder? Es ist tatsächlich so, ich habe das sehr häufig erlebt und ermutige die Menschen immer wieder neue Röntgenbilder anfertigen zu lassen, wenn es dem Pferd wieder gut geht, daher weiß ich das. Der Vollständigkeit halber will ich aber auch darauf hinweisen, dass es selten, sehr selten, Veränderungen gibt, die nicht mehr reparabel sind, diese gibt es leider auch, aber wie gesagt sind dies wirklich sehr seltene Ausnahmen und keineswegs die Regel. Dies sind beispielsweise Fälle, bei denen das Hufbein selbst (also der Knochen) bereits Veränderungen zeigt (habe ich in den ganzen Jahren ein einziges Mal gesehen).

Ihr merkt, das Thema Hufrehe bewegt mich und ist meines!

Zum Schluss muss ich noch darauf hinweisen, dass sehr viel in der Hufkorrektur so verdammt verkehrt läuft, dass das Pferd dann leider nicht mehr zu retten ist, nicht, weil es am Pferd liegt, nein, es liegt tatsächlich an uns Menschen! Oft sehe ich Dinge, die kann ich gar nicht glauben, beispielsweise hatte ich letzte Woche Bilder gemailt bekommen, da ist die Zehe soweit abgesägt (also tatsächlich mit der Säge..) worden, dass das Hufbein so gut wie frei lag. Also dies sind menschengemachte Faktoren, die nicht passieren dürfen und bitte Ihr Lieben: lasst diese Dinge definitiv nicht bei Euren Pferden machen, sagt hier: Halt, Stopp, nein, ich will das nicht, bitte lassen Sie das!
Das sind Faktoren, die sind für mich absolut unverzeihlich und mir kommen jedes Mal die Tränen, wenn ich sehe, was Menschen fähig sind zu tun, gleich, aus welchen Gründen, ist das Dummheit, Unwissenheit oder Übermut? Ich weiß es nicht und will es auch gar nicht wissen, es ist einfach schrecklich. Es gibt hier einige ganz schlimme Beispiele aus meiner „Praxis“ und es bewegt mich jedes Mal ganz tief. Hufe werden derart verstümmelt, dass ich anhand der Bilder genau weiß, dass dieses Pferd die Hufrehe eben nicht überleben kann, weil das einfach nicht mehr werden kann, weil der Mensch derart bestialisch zugeschlagen hat, dass hier nichts mehr zu reparieren ist. Das ist sehr traurig, daher möchte ich Euch unbedingt ermutigen, mitzudenken und mit zu schauen, nicht die Verantwortung abgeben, fragen, was gemacht werden soll und wenn Euch das zu krass erscheint, erst noch eine andere Meinung einholen, nicht gleich machen lassen, denn das kann vielleicht das Finale für Euer Hufrehe Pferd sein!

Eure Claudia